Militärflugplatz

Das gesamte Archiv der Deutschen Luftwaffe wurde in den letzten Kriegstagen im Jahr 1945 befehlsgemäß vernichtet Dadurch sind alle Unterlagen – auch die der Fliegerhorstfeuerwehr – verbrannt und unrettbar verloren gegangen.

Übrig geblieben, doch geschichtlich kaum mehr zu erfassen, ist das Gedankengut der ehemaligen Angehörigen dieser Feuerschutzeinheit, soweit sie noch am Leben und erinnerungsfähig sind.

Aus dieser Sicht bitte ich, als damaliger Leiter der Feuerschutzgruppe E 18/VII der Fliegerhorstfeuerwehr der Deutschen Luftwaffe, meinen Beitrag zu betrachten, den ich für die Festschrift anlässlich des 125 jährigen Bestehens der Feuerwehr Oedheim verfasst habe.

Karl Pode

Die Reichsgutsverwaltung Oedheim
Nach dem Friedensvertrag von Versailles, der den Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) auch völkerrechtlich beendete, war es dem Deutschen Reich verboten beim Heer und der Marine der Reichswehr Luftstreitkräfte aufzustellen und zu unterhalten. Entgegen diesen Bestimmungen wurde im März 1935 mit Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht die Luftwaffe als selbständiger Wehrmachtsteil ins Leben gerufen. Oberbefehlshaber der Luftwaffe wurde der damalige Reichsminister der Luftfahrt, Hauptmann a.D. Hermann Göring. Der unter dem Deckmantel von Fliegergruppen der Verkehrsfliegerschulen begonnene Bau von zahlreichen Flugplätzen mit Hallen, Werften, Werkstätten, Unterkünften und Feuerwachgebäuden wurde jetzt zügig vorangetrieben. Eine ausgezeichnete Bodenorganisation und eine Flugsicherung durch Bodenfunk- und Peildienst garantierten einen sicheren militärischen und zivilen Luftverkehr. Es entstand auch die Fliegerhorstfeuerwehr als eine für den Feuerschutz des militärischen Flugbetriebes und der brandempfindlichen Anlagen der Luftwaffe zuständige Spezialeinheit. Es handelte sich dabei um eine militärisch disziplinierte Berufsfeuerwehr, deren Einsatzgruppen einheitlich mit modernsten, neu entwickelten Fahrzeugen ausgestattet waren. Verwaltungsmäßig wurden sie vom Reichsluftfahrtministerium über die Luftgaukommandos geführt.

Das Personal der Fliegerhorstfeuerwehr gliederte sich in Wehrmachtsbeamte des höheren und des mittleren Dienstes, in Reichsangestellte und Lohnempfänger und wurde von den Berufsfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren der Städte übernommen. Je nach Größe der zu schützenden Anlage bestand eine Feuerschutzgruppe aus 14 bzw. 18 Mann Feuerschutzpersonal und aus 8 Soldaten der Horstkompanie. An Fahrzeugen standen den Feuerschutzgruppen Tankspritzen, Schlauchtender, Kraftfahrspritzen und Drehleitern bzw. mechanische Zweiradleitern von je 16 m Steighöhe zur Verfügung.

Bedingt durch die äußerst kritische politische Lage des Deutschen Reiches und seiner Nachbarländer in den Jahren vor Kriegsbeginn – das Saargebiet wurde wieder dem Reich einverleibt, Österreich wurde dem Reich angeschlossen, das Sudetenland, sowie Böhmen und Mähren als Länder der Tschechoslowakei wurden von Einheiten der Wehrmacht besetzt und unter Protektoratsverwaltung gestellt – wurden etwa ab dem Jahre 1937 als Reichsgutsverwaltungen getarnte Einsatz-Flughäfen – so auch in Oedheim – angelegt. Dabei handelte es sich um scheinbar landwirtschaftlich genutzte Anwesen mit entsprechenden Gebäudegruppierungen und zugehörigen, arrondierten und unterschiedlich bepflanzten Flächen, getarnte Militäranlagen – also in Oedheim wurde das Areal fachmännisch gepflegt und bearbeitet von Platzlandwirt Kommerell mit seiner Arbeitsgruppe. Herausragende Gebäude waren das Wirtschaftsgebäude, die großen Scheunen, Maschinenschuppen und Remisen. Am Südrand der Anlage Oedheim standen mehrere Baracken und eine getarnte Betriebsstofftankanlage. Zufahrten zur Reichsgutsverwaltung Oedheim waren von der nördlich vorbeiführenden Landstraße – der heutigen L 1088 – möglich.
Der Luftwaffen Fliegerhorst – E 18/VII
Am 22. August 1939 mussten nach den Mobilmachungskalendern der Fliegerhorste die getarnten Einsatz-Flughäfen – so auch Oedheim – besetzt und ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Die Feuerschutzgruppe des Stamm Fliegerhorstes Schwäbisch Hall stellte für die Belegung von Oedheim eine E-Gruppe in Stärke von 1 Löschmeister, 1 Oberfeuerwehrmann und 2 Feuerwehrmännern mit Tanklöschfahrzeug und Schlauchtender zur Verfügung. Von der Truppe wurde die seitherige Reichsgutsverwaltung Oedheim -jetzt als Fliegerhorst E 18/VII – mit einer Horstkompanie und einer Flughafenbetriebskompanie belegt. Horstkommandant war Hauptmann Breuninger, Chef der Horstkompanie Hauptmann Ott und z.b.V. Hauptmann Fritz. Flakstellungen wurden vorbereitet und die Einflugschneise vom Baumbestand freigemacht. Der Neckarsulmer Scheuerberg wurde mit einem Flugwachkommando besetzt. Am 26. August 1939 sollte der Krieg beginnen. Durch politische Aktivitäten wurde der Kriegsbeginn nochmals verschoben. Doch vom 1. September 1939 an war Krieg.

In Polen begann der Vormarsch der deutschen Truppen. Mit diesem Tag wurde die E-Gruppe der Fliegerhorstfeuerwehr durch eingezogenes Personal als Hilfsfeuerwehrmänner auf Sollstärke gebracht. Unter ihnen waren Namen wie Josef Bauer, Pius Löser, Karl Senghas, Wilhelm Fischer,Albert Hornung, Kälber, Wilhelm Keim, Apfelbach und Ehmann, zum Teil aus Oedheim und den umgebenden Ortschaften. Zusammen mit der Truppe wurde die Feuerschutzgruppe in der Unterkunft U 1 – eine der Scheunen – behelfsmäßig, später in einer eigenen, im Westen der Anlage neu aufgestellten Feuerwachbaracke untergebracht. Eine Staffel Jagdmaschinen vom Typ He 51 landete in den ersten Kriegstagen auf dem Fliegerhorst und startete tagsüber zur Aufklärung über dem Westwall, der Grenze zu Frankreich. Starts und Landungen wurden überwacht vom Rollfeldtrupp der Feuerschutzgruppe mit dem Tanklöschfahrzeug TS 2,5.

Bild: Jagdflugzeug Henkel He 51
Besatzung: 1 Mann
Motor: BMW VI 750 PS
Bewaffnung: 2 MG 15

Bild: Flader-Tankspritze IS 2,5
Motor: Büsing/NAC V 8 120 PS
Löschmittel: 2 500 1 Wasser, 250 1 Schaummittel,
2 Schaumrohre

Bild: Rollfeldtrupp n Bereitschaft mit Tanklöschfahrzeug
vi. Ofm. Falk v.r. Uffz.? h.l. Hornung h.r. Bauer

Die Hilfsfeuerwehrmänner wurden in einem mehrwöchigen Lehrgang mit dem Feuerlöschdienst, insbesondere mit der Brandbekämpfung an Flugzeugen vertraut gemacht.

Bild: Kampfflugzeug Junkers JU 88 Besatzung: 4 Mann
Meter. 2 BMW 801 – 2 x 2 100 PS Bewaffnung: 7 MC 17 – 2 500 kg Bomben

Im Arbeitsdienst mussten die Gebäude des Fliegerhorstes und die technischen Anlagen mit Handfeuerlöschern und Kübelspritzen ausgestattet und die Truppe, meist eingezogene Reservisten, in der Handhabung der Feuerlöschgeräte ebenso ausgebildet werden, wie das zivile Personal des Fliegerhorstes.

Bild : dienstfreie Wachabteilung mit dem Chef. v.l.. Fischer W., Wassermann, Keim, Rode, Fischer E.vorn sitzend: Wieland im Hintergrund: Scheune U 1
Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde die Jagdstaffel abgezogen. Während der Wintermonate 1939/40 war der Fliegerhorst nicht mehr mit einem fliegenden Verband belegt; er wurde hin und wieder von einzelnen Maschinen zum Auftanken oder für Kurierzwecke angeflogen. Während des Angriffs der Wehrmacht auf Dänemark und Norwegen im Frühjahr 1940 sicherte eine Staffel Jagdflugzeuge vom Typ Messerschmitt Me 109 die Grenze entlang dem Westwall. Die Staffel wurde in den ersten Maitagen wieder abgezogen.
Bild: Jagdflugzeug Messerschmitt Me 109 Motor: Daimler-Benz 607 – 1750 PS Bewaffnung: 2 Kanonen 20 mm, 2 MG 17 Besatzung: 1 Mann

Bild: Einsatz einer Feuerschutzgruppe an einem abgestürzten, brennenden Kampfflugzeug Ju 88. Von der Besatzung konnten die Feuerwehrmänner einen lebend retten, der zweite war tödlich verletzt.

Auch bei der Feuerschutzgruppe wurde ,,des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr“ abrupt unterbrochen, als in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai1940 eine Flakbatterie mit 2 cm-Kanonen rund um den Fliegerhorst in Stellung ging und am Morgen feuerbereit war. Der Angriff auf Frankreich begann von der Luft aus mit massiven Angriffen der Kampfgeschwader der Luftwaffe auf die Fliegerhorste und Anlagen der französischen Luftwaffe. Vom Heimathorst Schwäbisch Hall startete beim Morgengrauen die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 53 (II. KG. 53) – eine der Traditionsgruppen der im Spanienkrieg eingesetzten ,,Legion Condor“. Als einziges Geschwader mit Kriegserfahrung flogen die Besatzungen mit ihren He 111 Angriffsspitze und hatten deshalb starke Verluste durch französiches Flakfeuer. Die zurückkehrenden Maschinen der II. KG 53 landeten jetzt in Oedheim, ihrem neuen Einsatzfliegerhorst.
Bild: Kampfflugzeug Heinkel He 111
Motor: 2 – 12 Zylinder Junkers, 2 x 1 200 PS
Bewaffnung: 20 mm Kanone, 5 MC 151
Besatzung: 5 Mann

Einsätze der Feuerschutzgruppe wurden jetzt notwendig insbesondere bei Notlandungen zurückkehrender, angeschossener Maschinen. Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich und der anschließenden Besetzung von Nord- und Westfrankreich durch deutsche Truppen wurden die fliegenden Verbände und die Bodenorganisationen Ende Juli 1940 nach Westen verlegt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Angehörigen der Feuerschutzgruppe E 18/VII als Unteroffiziere und als Mannschaftsdienstgrade, die Hilfsfeuerwehrmänner als Feuerschutzsoldaten in das Soldatenverhältnis übernommen. Mit der Verlegung der Feuerschutzgruppe E 18/VII in den Bereich des Luftgaukommandos.
Westfrankreich übernahm der spätere Löschmeister Friedrich Kübler vom Fliegerhorst Schwäbisch Hall die Leitung der Gruppe, zu der vom Stammpersonal noch der Oberfeuerwehrmann Fritz FaIk und die Feuerwehrmänner Emil Fischer und Josef Wassermann zählten. Stationiert wurde die Gruppe zunächst auf dem Feldflugplatz Rochefort, danach in La Rochelle, um anschließend auf Feldflugplätze in Polen und Russland verlegt zu werden. Durch Versetzungen von Personal zur kämpfenden Truppe und zu anderen Feuerschutzeinheiten bot die Gruppe jetzt aber ein stark verändertes Bild. Der Fliegerhorst Oedheim wurde vermutlich erst während der Rückzugskämpfe der deutschen Truppen in den letzten Kriegsmonaten für die Überreste deutscher fliegender Verbände reaktiviert und in dieser Zeit wiederholt
auch von amerikanischen und englischen Bomber- oder Jägereinheiten angegriffen.