12 | 250kg Sprengbombe im Ortskern

Datum: 15. März 2017 
Alarmzeit: 16:25 Uhr 
Art: Hilfeleistung  > Gefahrgut  
Fahrzeuge: ELW 1 , HLF 10 , LF 8 , MTW , TLF 16/25  


Einsatzbericht:

Evakuierung fordert Großaufgebot an Rettungskräften

Im Ortskern beim alten Friedhof wurde gestern am 15.03.2017 kurz nach 16:00 Uhr bei Bauarbeiten eine 250kg Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg gefunden.

Im ersten Schritt wurde von der Feuerwehr der Fundort abgesperrt und die zuständigen Stellen alarmiert. Nach Eintreffen der Polizei stimmte sich die Einsatzleitung der Feuerwehr und der Polizei über das weitere Vorgehen ab.

Als der alarmierte Kampfmittelräumdienst an der Einsatzstelle eingetroffen war, erkundete dieser den Sprengsatz um das weitere Vorgehen festzulegen. Das Fundobjekt wurde vorsichtig vom Kampfmittelräumdienst freigelegt um den genauen Typ zu erkennen und daraus die notwendigen Maßnahmen abzuleiten. Nach dem Freilegen war klar, dass es sich um einen intakten amerikanischen Sprengsatz aus dem zweiten Weltkrieg handelte. Dieser muss vor Ort entschärft werden um ihn abtransportieren zu können. Die Einsatzleitung von Polizei und Feuerwehr wurden unterrichtet in einem Radius von 300m um den Fundort herum alle Personen zu evakuieren.

Nach der ersten Einschätzung wurde damit gerechnet, dass ca. 1500 Personen von dieser Evakuierung betroffen sind. Zum einen bestand die Schwierigkeit darin, diese Anzahl an Personen aus diesem Gebiet heraus zu befördern, zum anderen mussten schnellstmöglich ausreichend Notunterkünfte vorbereitet werden um dieser Personen dort hin zu verbringen. Um dieses logistisch zu meistern, wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet. Der erste Einsatzabschnitt konzentrierte sich auf die Evakuierung der Personen, der zweite Einsatzabschnitt war für die Koordination der Busse verantwortlich und der dritte Einsatzabschnitt war für die Notunterkünfte zuständig. Als Zeitplan wurde definiert, dass für die Evakuierung rund drei Stunden benötigt werden, für die anschließende Vorbereitung der Entschärfung ca. 30min und für die eigentliche Entschärfung ca. eine Stunde benötigt wird. Danach kann der Rücktransport veranlasst werden.

Im ersten Schritt wurden nun der Evakuierungsradius in vier Sektoren eingeteilt und sogenannte Unterabschnitte gebildet. In jedem dieser vier Sektoren wurde ein Sammelplatz definiert, an welchem sich die zu evakuierenden Personen einfinden sollen um durch Busse zu den Unterkünften befördert zu werden. Parallel dazu wurden über Busunternehmen die Transportmittel organisiert und ein zentraler Bereitstellungsplatz im Bereich der L1088 eingerichtet, von welchem die Busse zu den einzelnen Sammelpunkten entsendet werden konnten. Die L1088 wurde daraufhin voll gesperrt um den Bussen an der Buswendeplatte im Neuberg eine reibungslose An- und Abfahrt zu gewährleisten. Um ein Verkehrschaos zu verhindern, wenn diese Anzahl an Personen zeitgleich das Evakuierungsgebiet verlassen, wurde darauf verzichtet die Personen anzuweisen, eigenständig mit PKWs das Gebiet zu verlassen. Eine Vielzahl tat dies allerdings trotzdem um bei Bekannten und Verwandten unterzukommen. Das befürchtete Verkehrschaos blieb Gott sei Dank aus und es kam lediglich zu leichten Staus auf Oedheims Straßen, die gesäumt von Rettungsfahrzeugen waren.

Zeitgleich wurde über alle Medien sowie der App „NINA“ eine Bevölkerungswarnung herausgegeben mit der Bitte, dass alle betroffenen Personen den Gefahrenbereich verlassen sollen und sich am Sammelplatz einfinden.

Da nicht vorausgesagt werden konnte, wie viele Personen sich aktuell in dem 300m Radius befinden und ebenfalls wie viele Personen sich an die Sammelplätze begeben und in Notunterkünfte untergebracht werden mussten, wurden vom Einsatzabschnitt Notunterbringen Hallen in Oedheim und Bad Friedrichshall vorbereit um die geschätzte Anzahl von 1500 Menschen unterzubringen. Ebenfalls wurden Getränke und Lebensmittel geordert um die Evakuierten versorgen zu können.

Die alarmierten Kräfte der Feuerwehr Oedheim und der Polizei wurden um 18:30Uhr in die einzelnen Sektoren entsandt um mit Lautsprecherdurchsagen und per Fußtruppe die Personen aus dem Gefahrenbereich zu evakuieren.

Der Führungsstab des Landkreise Heilbronn hatte mittlerweile in Feuerwehrhaus in Oedheim die Arbeit aufgenommen und begann mit der Unterstützung der örtlichen Einsatzleitung. Es wurde eine Kommunikationsstruktur, eine Lagedarstellung und weitere Informationen im Stab zusammengeführt um ein Bild über die Lage zu bekommen.

Bei Beginn der Evakuierung wurden weitere Kräfte der Feuerwehr hauptsächlich mit ELWs hinzugezogen, damit zu jeder Notunterkunft sowie in den einzelnen Einsatzabschnitten eine zentrale Stelle als Ansprechpartner zur Verfügung stand. Der Einsatzabschnitt Evakuierung wurde über den ELW2 beim Gerätehaus koordiniert. Der Abschnitt Transport wurde über den ELW 1 aus Bad Friedrichhall im Beriech L1088, Einfahrt Neuberg, geleitet. Weitere Kräfte aus Bad Rappenau, Möckmühl und Bad Friedrichhall bildeten die Schnittstellen zu den Notunterkünften.

Ab dem Zeitpunkt liefen alle Informationen im Führungsstab und der Einsatzleitung zusammen. In der Einsatzleitung waren Vertreter der Feuerwehr, der Polizei, des DRK sowie des THW um die jeweiligen Einsatzaufträge entgegen zu nehmen. Dies waren beispielsweise Transportaufträge von Personen die nicht eigenständig ihr Haus verlassen konnten oder auch Aufträge zur Ausleuchtung von diversen Plätzen im Ort.

Um 19:00Uhr fand die erste Besprechung der Leitung und des Stabes statt, welche dann immer zur vollen Stunde einberufen wurde um alle Einsatzkräfte auf den aktuellen Stand zu bringen. Das DRK mit seinem organisatorischen Leiter und dem leitenden Notarzt nahm parallel zur laufenden Evakuierung zusammen mit Mitarbeitern der Gemeine die ersten Personen in den Notunterkünften entgehen und betreute diese zusammen mit der Seelsorgeeinheit. Ebenfalls bereitet sich das DRK, welches aus dem kompletten Landkreis Heilbronn angerückt war, auf einen MANV vor, sollte die Entschärfung nicht wie geplant ablaufen. Zum Glück mussten wir dieses Register nicht ziehen, aber die Einsatzkräfte waren auf das Schlimmste vorbereitet.

Im weiteren Verlauf des Einsatzes bereitete sich die Feuerwehr ebenfalls auf den „Worstcase“ vor. Da die Oedheimer Einsatzkräfte und Fahrzeuge in der Evakuierung gebunden waren, wurden von Bad Friedrichshall und von Neckarsulm ein Halbzug und ein Löschfahrzeug im Ortsgebiet bereitgestellt. Eine Einheit deckte den Bereich östlich der Fundstelle ab, die andere Einheit wurde westlich bei kath. Gemeindehaus in Stellung gebracht. Diese Einheiten sicherten zum einen den Grundschutz der Gemeinde ab, sollte ein zeitkritischer Einsatz hinzukommen und standen ebenfalls zur Verfügung, wenn die Entschärfung misslungen wäre.

Bei der zweiten Stabbesprechung um 20:00Uhr kam bereits die Meldung dass zwei Sektoren komplett evakuiert sind und die weiteren zwei Sektoren ca. zur Hälfte abgearbeitet sind. Der Führungsstab bereitete sich dann auf seine eigene Evakuierung aus dem Gefahrengebiet vor, da das Feuerwehrhaus ca. 150m Luftlinie vom Fundort entfernt war. Hierzu wurde das kath. Gemeindehaus vorbereitet um nach der kompletten Evakuierung die Arbeit dort weiterzuführen. Ebenfalls verlegten die Polizei und das DRK ihre Einsatzleitung und ihre Fahrzeuge in den Bereich Gemeindehaus/EDEKA.

Bei der zweiten Besprechung um 21:00 konnte bis auf einen Krankentransport der bereits im Gange war Vollzug der Evakuierung gemeldet werden. Somit wurde auch der zuvor festgelegte Zeitplan von drei Stunden besser als geplant eingehalten. Daraufhin verlegten die Einsatzkräfte zum katholischen Gemeindehaus. Parallel wurde eine Kotrollfahrt durch die Feuerwehr sowie eine Kontrolle durch die Polizei durchgeführt, damit man die doppelte Sicherheit hatte, dass der komplette Gefahrenbereich geräumt ist. Alle Zufahrtsstraßen in den Gefahrenbereich wurden durch die Polizei und die Feuerwehr abgeriegelt. Nachdem beide Organisationen ihr ok gemeldet hatten, begann der Kampfmittelräumdienst nach Zeitplan kurz nach 21:30Uhr mit der Entschärfung der Bombe.

Nach rund 30min kam der erlösende Anruf, dass die Bombe entschärft wurde und nun verladen werden konnte. Nach dem Abtransport wurde die Sperrung des Gefahrenbereiches aufgehoben und die Busse brachten die Evakuierten Personen wieder zurück an die Sammelplätze. Zeitgleich wurde die Aufhebung der Bevölkerungswarnung veranlasst, sowie eine Pressemitteilung heraus gegeben, dass die Evakuierung aufgehoben ist.

Die Einsatzkräfte beendeten ihren Einsatz und rückten wieder nach und nach ab.

Im Einsatz waren insgesamt rund 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, DRK und THW.

Die Feuerwehr Oedheim möchte sich an dieser Stelle nochmals bei allen eingesetzten Kräften für die professionelle und reibungslose Zusammenarbeit bedanken. Ebenfalls gilt unser Dank der kath. Kirchengemeinde für das schnelle zur Verfügung stellen des Gemeindehauses.

Nicht zuletzt bedanken wir uns bei allen Einwohnern für das Verständnis sowie bei Allen die in irgendeiner Weise zu dem reibungslosen Ablauf beigetragen haben. Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet aber mussten Gott sei Dank nicht darauf zurückgreifen.